Der Anfang vom Anfang

Vor langer Zeit lebte in der unendlichen Weite nur Luna, die Göttin, und die vier Weltenwölfe, die sie selbst erschaffen hatte. Alles was Luna hatte waren ihre Kleider und ein silberner Ball.

Luna liebte diesen Ball und er war ihr das wertvollst von allem. Wenn sie mit den Wölfen umher zog, leuchtete er ihnen den Weg durch die Dunkelheit, er wärmte in der Kälte und wenn Luna sang, trug er ihre Stimme weit hinaus.

Weit in der ferne verklang die Stimme in der Finsternis. Dann ballten sich die winzigen, tonlosen Klänge zusammen und wuchsen zu großen einsamen Wesen. Diese Kreaturen sehnten sich nach dem Gesang, denn sie nie erreichen konnten. Aus diesem Grund schrien sie und zerrten an den dunklen Käfigen, die sie umschlossen. Und aus der Einsamkeit wuchs Angst, Hass und Furcht, die bis heute noch viele heimsuchen.

Obwohl der Gesang die Wesen nie erreichte, erreichten die Schreie Luna und ihr Herz weinte wegen der Traurigkeit und Verzweiflung, schwieg wegen der Angst und Furcht, und trauerte wegen dem Hass und den Zorn, die in ihnen enthalten waren. Jedoch keiner ihrer Wölfe vernahm die Klage und so warnten sie Luna nicht.

Eines Nachts, als wider das Geschrei herbei wehte, machte Luna sich auf den Weg und folgte durch die Finsternis. Ihr einziger Begleiter war ihr silberner Ball und dieser vertrieb die Dunkelheit. Bis sie an einen Käfig kam, in den er nur wenig leuchten konnte. Die Wesen, die durch all die Einsamkeit zu Ungeheuern geworden waren, sahen das Licht und fürchteten es. Einer jedoch, der schlauste von ihnen aber auch bösartigste von ihnen, veränderte seine Gestalt und wurde zu einem nachtschwarzen Wolf. Seine Augen waren rot, wie glühende Kohlen, und wo immer er hintrat, kam nie mehr Licht. Er näherte sich Luna vorsichtig und untrwürfig. Und obwohl Lunas Ball ihn nicht wirklich leuchten konnte, obwohl er eine Wolke von Finsternis mit sich trug, traute ihm Luna und umarmte ihn. Durch Luna kam Nigros aus seinem Käfig und er folgte ihr bis zu den Weltenwölfen und weiter.

Die Wölfe misstrauten ihm und fürchteten um Luna, aber d sie ihn wie einen der ihre liebte, taten sie nichts und beobachteten ihn nur. Nigros aber merkte es und er tat alles für Luna. Und so kam es, dass die Woelfe irgendwann unachtsam wurden und ihn nicht mehr bewachten.
Nigros merkte es sofort und nun wusste er seinen Sieg sicher. Er wollte nicht Luna, zumindest noch nicht. Erst wollte er das vernichten, was er am meisten hasst: Lunas Ball!

Denn Nigros konnte das silberne Licht nicht ertragen. Es brannte in ihm, versuchte ihn zu zerstören. Er konnte es nicht leiden, denn er liebte die Finsternis und bestand aus dunklen, tonlosen Klängen und ernährte sich von Dunkelheit. Und das Bekämpfte der Ball und Luna, wenn auch unbewusst.

Eines Nachts fühlte sich Nigros stark genug und als alle schliefen, schlich er sich zu Luna. Er wollte ihren Ball zerstören und verschlingen. Er nahm den Ball zwischen seine kräftigen Zähnen. Das Licht verschwand fast völlig, verschlungen von der Dunkelheit. Dies verstärkte seinen Willen, zeigte es ja, dass er dem Licht überlegen war. Und dann biss er kräftig zu.

Auf einmal jedoch glühte der Ball und es quälte Nigros. Jaulend wand er sich auf dem Boden. Der Ball lag neben ihm und alles, was Nigros geschafft hatte, war ein kleines Stück abzubeißen. Luna und die Weltenwölfe erwachten, doch als die vier Wölfe sich auf ihn stürzen wollten hielt Luna sie auf. Und so gelang es Nigros zu fliehen.

 

Die Erschaffung von Luna Lucien

Der Ball lag auf dem Boden und leuchtete immer noch hell. Das abgebrochene Stück hingegen verlor seinen Glanz. Die eine Seite davon war rund und glatt, denn es gehörte zur Außenseite des Balls. Die andere jedoch war meist eine Ebene, nur hie und da durchfurcht von Bergen und Tälern. Zum Rand wurde die Ebene immer tiefer, so dass die Mitte herausragte.

Luna nahm dieses Stück und hängte es vor sich in die Luft. Sie umsang es und allmählich wurde es wieder heller. Und da fühlte auf einmal auch Luna die Einsamkeit. Und da sprach sie zum ersten mal, nicht singend, sondern sprechend erklang ihre Stimme.

"Ich will diesem wunderschönem Stück Leben geben, will, dass es wächst."

Und sie ging von einem Weltenwolf zum anderen und gab jedem eine Aufgabe. Zuerst ging sie zu Indoles.

"Du Indoles, sollst auf diese neue Welt gehen und ihr alles geben, was sie braucht. Lass sie ihn Farben erblühen."

Der Wolf heulte auf und als er so heulte, verschwamm er und verschwand mit einem Licht auf dem Stück Ball. Indoles wusste nicht, wie er dieses Land verschöner sollte und so experimentierte er. Er wollte Farben herein bringen und so schickte er sein Licht aus, doch auf dem nackten Fals wuchs nichts und kam keine Farbe. Als Luna ihn sah und seine Verzweiflung bemerkte, weinte sie und ihre Tränen tropften auf die Welt und so entstanden Seen, Flüsse und das große Meer. Als Indoles sah, dass seine Herrin weinte, versuchte er sich erneut. Erst veränderte er den Boden, legte Erde darauf, die fruchtbar war. Dies Erde saugte einen Teil des Wassers auf und auf einmal sprossen in seinem Licht viele Farben. Grüne Bäume, bunte Blumen. Doch sie hielten nicht sehr lange, denn konnten sie nicht die Luft atmen, die für die anderen doch reichte.

Da drehte Luna sich zu Caelestia um.

"Geh und hilf deinem Bruder. Schwebe über der Erde und gib den Pflanzen, die zum Licht deines Bruders wachsen, was sie brauchen."

Caelestia heulte auf und als er so heulte, verschwand er. In der Gestalt seines Heulens wehte er über die Erde und sofort erhoben sich die Pflanzen wieder, streckten sich ihm und seinem Bruder entgegen. Und um die Pflanzen nicht überwuchern zu lassen, nahm Indoles ab und an sein Licht hinfort, um Platz für neue zu schaffen. Aber Luna spürte immer noch die Einsamkeit und nun, wo zwei ihrer Gefährten nicht mehr bei ihr waren, umso deutlicher. Sie wollte mehr Leben auf dieser Welt haben und so drehte sie sich zu Signifer um.

"Geh hinunter zu deinen Brüdern und rufe die Geister deiner Seele. Sie sollte mit dir in dieser Welt leben und du bis ihr Herr, der Herr aller Tiere."

Sie berührte Signifer an der Stirn und gab ihm einen Kuss auf die Nase. Und sofort spürte der große Wolf, wie er auf die Welt hinunter schwebte und aus seiner Brust viele Wesen sprangen. Vögel, Fische, Käfer, Füchse, Wölfe und viele mehr. Und alle waren kleiner als er, denn er war ihr Herr. Doch war er kein Tyrann, sondern ein gnädiger und gerechter, denn er liebt alle Tiere wie seine Kinder, denn sie waren aus seiner Seele entsprungen. Und um einen Kreislauf zu bewahren, wie seine Brüder mit den Pflanzen, erlaubte er manchen Tieren zu jagen, die alte und schwachen, und gab den Jungen Gewandheit und Schnelligkeit.

Lange betrachtete Luna und ihr letzter Gefährte das Werk und das Treiben auf der Welt. Lange wurden sie dessen nicht satt. Irgendwann jedoch sah Luna, dass das Leben immer größer wurde und überquoll, denn die Tiere jagten zu wenig und respektierten die anderen zu sehr. Da wandte sie sich den letzten zu, Genus. Sie umarmte ihn und auf einmal veränderte er seine Gestalt und wurde Luna ähnlich. Er war kräftiger, mehr behaart und größer. Nun war es kein Wolf mehr, sondern der erste Mann. Luna richtete sich auf und gab ihm einen Kuss.

"Geh hinunter und errichte ein großes Reich. Du sollst ihr erster Kaiser sein und du sollst über alles Herrschen. Über die Menschheit, aber auch über alle Tiere und Pflanzen. Doch werdet nicht übermütig. Verehrt auch die, die unter euch sind. Denn ihr braucht die Pflanzen und Tiere und ihr werdet sterben, wenn sie alle sterben werden."

Und damit sandte sie ihn hinab zur Erde. Dort suchte er sich eine Wölfin, die er zu seiner Gefährtin nahm und veränderte sie, wie er verändert war. Auch wenn sie viel weniger an Wissen und Weisheit hatte wie er, so war sie doch klug und achtete die vier Könige und die eine Göttin und so taten es auch ihre Kinder. Die Kraft der Menschen hielt die Kraft des Lebens im Zaum. Sie bauten Städte und Tempel in denen sie Luna verehrten. Und sie verehrten auch, wie gehießen ihren König Genus, die Tiere und ihren Herrn Signifer, die Pflanzen und den Lebensschenker Indoles und deren unsichtbaren Bruder Caelestia. das silberne Licht des Balles von Luna schenkte Indoles die Kraft, wärme zu spenden und das Licht weiterzugeben. Und da dieses Licht von Luna kam, nannte man diese Welt, die nur in diesem Licht lebte, Luna Lucien.

 

Lunas Strafe und Geschenk

Luna beobachtete von außen, wie alles Lebe erblühte, doch war sie allein. Oft ertrug sie diese Einsamkeit, aber ab und zu weinte Luna auch. Dann verbarg sich ihr Licht zum größten Teil und viele Tropfen fielen auf die Erde. Dann umgarnte sie Caelestia, der ihr am nächsten war, und tröstete sie. Signifer und Indoles ließen die Köpfe hängen und Genus verkroch sich in seinem Haus. Und erst, wenn Luna wieder lachte, sahen sie freudig auf und kamen hervor.

Irgendwann hatte auch Luna eine Idee, wie sie nicht so allein wäre. Auch sie wollte auf die Erde, aber bevor sie gehen konnte, wurde sie angegriffen. Nigros, der seine Niederlage nicht ertrug, wollte erneut Lunas Ball zerstören. Und dieses mal konnten ihr keiner der Weltenwölfe helfen, denn diese konnten nicht von der Welt fort.

Zum Schrecken aller gelang es Nigros, denn Luna währte sich nicht, sondern reichte ihm gar den Ball. Nigros verschluckte ihn auf einmal, den letzten Fehler gedenkend, und sofort war es dunkel. Keine Dunkelheit, wie es die Bewohner Luna Luciens von den Regentagen kannten. Es war eine undurchdringliche Schwärze, in der man nichts sehen konnte, nicht einmal mehr Schatten und Schemen, waren sie auch noch so nah.Nur Luna und Nirgros konnten etwas sehen. Nigros, weil weil er die Dunkelheit kannte und sie ein Teil von ihm war, Luna, weil sie in diesem Nichts schon lange vor irgendjemanden gelebt hatte und lange schon, bevor sie sich den Ball geschaffen hatte. Sie ging zu Nigros, der seinen Fehler begriff, denn Luna war das Licht, nicht ihr Ball, und umarmte ihn und sie weinte, als sie ihr Gesicht in sein Fell vergrub.

"Ich kenne deinen Kummer, auch ich habe ihn schon gefühlt, lange vorher, bevor ich mir die vier Weltenwölfe erschaffen habe. Und nun, wo sie wieder gegangen sind. Ich will nicht, dass du einsam bist. Das du traurig bist. Das Hass empfindest. Auch du sollst auf die Welt hinuntergehen. Du sollst ihnen die Nacht schenken und des Tags sollst du schlafen, auf das ich strahlendes Licht hinunterschicken kann. Warmes Licht das mehr Farben bringt und man wird es Apricum nennen. Und jede Nacht wirst du erwachen und ein Stück von diesem Ball verschlingen, der über Luna Lucien kreist. Und das 14 Tage lang. Am 14. Tag wirst du ihn völlig verschlungen haben und das Licht, das dich gebunden hat, wird sich für eine Nacht lösen. Diese Nacht gehört dir und du kannst durch die Welt streifen, denn dann bist du ihr Koenig. danach jedoch wirst du verlieren und du wirst würgen und mein Licht, das Licht des Balles, wieder zum Vorschein bringen. Wiederum 14 Tage, bis er vollständig am Firmament steht. In dieser Nacht wirst du schlafen und ausruhen. Immer fort wird das gehen und nie soll es zuende gehen."

Damit schloss sie und sandte Nigros und ihren Ball auf die Erde. Und auch sie schickte einen Teil ihrer Selbst auf Luna Lucien und wachte unsichtbar über sie. Von außen und von innen.

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